Social Media im Verlag: Setup von Steffen Meier (Ulmer Verlag)

Die Kommission Digitale Kommunikation befasst sich mit neuen Möglichkeiten und veränderten Aufgaben durch Social Media, Web 2.0 und Cloud Computing, den Veränderungen für die Verlagskommunikation sowie neuen Arbeitsformen und Berufsbildern. Mit unserer Serie Social Media im Verlag: Setup von … geben Mitglieder aus der Kommission Digitale Kommunikation Einblick in ihren Werkzeugkasten fürs Social Web – inspiriert von den Social Media Setups im Blog von Karsten Sauer.

Steffen Meier, als Frühgeborener eher Digital Naive als Digital Native, leite innerhalb des Verlag Eugen Ulmer in Stuttgart den Online-Bereich (wobei das nicht nur Web, sondern von Mobile bis Social Media den kompletten digitalen Bereich umfasst). Das Unternehmen selbst, Mittelständler mit etwa 160 Mitarbeitern, umfasst einen Zeitschriften-, einen Buch- und eben (m)einen digitalen Bereich.
Social Media gehört seit einigen Jahren zum kommunikativen Grundrauschen meiner eigenen Tätigkeit (die ja auch ein Stück weit das Beobachten, Testen und Bewerten digitaler Trends beinhaltet), wird inzwischen aber mehr und mehr von anderen Kollegen genutzt, zunächst natürlich in meinem Bereich, inzwischen aber auch immer mehr in anderen Unternehmensteilen, vornehmlich in den Zeitschriftenredaktionen. Die eigentliche Kernmannschaft, die auch die Workflows aufbaut, ist allerdings in meinem Bereich angesiedelt.

Drei Tags für Steffen Meier: #socialmedia

Welche Tools und Plattformen nutzt Ihr? Und wofür?
Viele der relevanten im deutschsprachigen Raum, aber nicht alle gleichwertig. Das geht von Xing über Blogs bis Pinterest. Vieles davon wird aber automatisiert bespielt, etwa Twitter, das in unseren Zielgruppen keine Rolle spielt, aber beim Thema Suchmaschinen wichtig wird. Hauptplattformen sind eigene Blogs, Facebook, nachrangiger Google+, Youtube, Flickr, Pinterest, Xing.

Schon aus Ressourcengründen liegt uns viel an durchstrukturierten Workflows und technischen Abläufen, aber die Realität ist immer noch bei vielen Kollegen manuelles Arbeiten in den sozialen Netzen. Auch im Bereich Monitoring werden die verschiedensten Tools eingesetzt. Wenigstens im Bereich Analyse/Reporting nutzen wir hauptsächlich Google Analytics. Und das sehe ich auch als eine der nächsten Hauptaufgaben: Workgroupfähige Tools, die uns den Rücken freihalten für die hohe Kunst des Kommunizierens da draussen. Leider sehe ich derzeit kein Tool, das diese Aufgabe wirklich gut erfüllt und vor allem von Verlagsleuten benutzt werden kann – schließlich sind das Redakteure und PR-Leute, keine Techies. Und diese Tools müssen angesichts schmaler Social Media-Budgets der Verlage auch bezahlbar sein – manche Preisvorstellungen von Anbietern sind schlicht absurd.
In meinem Bereich kommt Hootsuite zum Einsatz, im Monitoring diverse Tools wie Mention, Google Alerts, Tweetalarm – als Brückentechnologie (die meisten Kollegen nutzen ja immer noch hauptsächlich E-Mail) zB HyperAlerts.

Wo seht Ihr die Vor- und Nachteile von Social Media für Euer Unternehmen?
Zunächst muss man sagen, dass wir als Buch- und Zeitschriftenverlag die komplette Spannbreite der Kommunikation miterleben. Speziell etwa bei den Redakteuren, die sehr autonom und auch (Achtung: Kollegenlob) sehr geschickt und selbstbewußt im Bereich Social Media agieren. Dies liegt vor allem daran, dass es schon immer eine große Nähe zwischen Redakteur (Mensch) und Zeitschrift (Marke) gab, ebenso auch eine gewisse Vertrautheit mit dem direkten Leser-/Nutzerkontakt.

Im Gegensatz dazu etwa das (Buch-)Lektorat, das als Counterpart in der Vergangenheit den Buchvertrieb, die Presseabteilung, eingeschränkt die Verlagsvertreter und nur am Rande den Sortimenter hatte. Gleichzeitig identifiziert sich ein Lektor in einer Unternehmensgröße wie unserer eher mit den Fachthemen als mit der (Buch-)Verlagsmarke. Aber gerade hier kann die direkte Auseinandersetzung mit dem Leser/Nutzer natürlich besonders spannende Ergebnisse zeitigen.

Davon abgeleitet, sieht unsere Strategie auch so aus, dass wir die Zeitschriften als eigenständige Marken im Bereich Social Media platziert haben, im Buchbereich aber themenorientiert (weniger buchverlagsmarkenorientiert) arbeiten, etwa im Kontext Garten, unserer derzeit primären Zielgruppe (im Bereich Social Media wohlgemerkt, nicht verlagsweit).

Natürlich stellt sich auch immer die Sinnfrage. Und es ist ja nicht nur legitim, sondern geboten, danach zu fragen „Was bringt dies dem Unternehmen?“. Wobei mir persönlich weiche Ziele wie Markenbildung (die eigene Verlagsmarke wird immer überschätzt), Image etc. etwas Bauchschmerzen bereiten, wenn sie als Platzhalter für fehlende Strategien eingesetzt werden. Andererseits darf ein „Wir brauchen erst eine Social Media Strategie!“ nie Verhinderungsgrund für ein Agieren und Ausprobieren in einem sich erst entwickelnden Kommunikationsumfeld sein. Wir brauchen nämlich keine Social Media Strategie – wir brauchen eine Unternehmens-Strategie, von der sich alles andere ableitet.

Wichtigste Zukunftsaufgabe wird es für uns sein, diese neuen digitalen Kommunikationswege insgesamt in die Unternehmensabläufe zu integrieren. Nochmal: Social Media darf nicht separat betrachtet werden, sondern muss wie alles letzten Endes dem Unternehmensziel untergeordnet sein und seinen Beitrag dazu leisten. Bei allem „Fun“ und Suchtfaktor – wir agieren in Wirtschaftsunternehmen.

Insofern sehe ich auf vielen Ebenen aber nur Vorteile für unser wie für andere Unternehmen, wenn man sich geschickt anstellt, vom Endkundenkontakt und -betreuung über Trendbeobachtung, Produktverfeinerung bis hin zum direkten oder indirekten Produktabsatz. Der einzige Nachteil ist: das macht sich nicht mal kurz nebenher. Am besten läßt man Dinge weg (die dann überraschenderweise niemand vermisst), optimiert seine Grund-Workflows (um Luft für echte Kommunikation zu haben) oder holt sich externe Hilfe hinzu. Wobei der Kern der digitalen Kommunikation für meine Gefühl immer IM Unternehmen angesiedelt sein muß. Ein Verlag würde seine Produktkompetenz ja auch nicht komplett outsourcen, er würde nämlich dabei seine Kernfunktion verlieren.

Drei Tags für Steffen Meier: #kaffeetrinker

Was erreicht Ihr im Social Web für Euer Unternehmen?
Vieles auf vielen Ebenen. Eine der wichtigsten Erfahrungen / Übungen aber war sicher der Aufbau eines Multiplikatoren-Netzwerks, speziell der Bereich der Beziehung zu Bloggern. Diese übernehmen einen Teil der Endnutzer-Kommunikation (die wir gar nicht leisten könnten), sind enorme Reichweitenverstärker und ebenso wichtige Impulsgeber für unsere Produkte. Und einige davon werden in den nächsten Jahren sicherlich zu unseren Autoren zählen.

Mich persönlich verwundert dabei die, ich sags mal direkt, Hochnäsigkeit vieler Verlagskollegen den Zielgruppenbloggern da draussen gegenüber. Vielleicht sind diese Blogs nicht so durchgestylt wie unsere Website, vielleicht schauen nicht fünf Lektoren über die einzelnen Artikel. Aber viele davon erreichen mit ihrer Fachkenntniss und ehrlichen Kommunikation heute schon deutlich höhere Reichweiten als unsere heißgeliebten sterilen, binnenblickorientierten Web-Auftritte. Das sollte einem vielleicht zu denken geben, etwas Demut im Umgang beibringen – und den Weg zu wichtigen Multiplikatoren öffnen.

Wie trennt Ihr Privates und Berufliches in Social Media?
Insgesamt glaube ich nicht daran, dass diese Trennung ewig Bestand haben wird, jedenfalls in vielen kreativen Bereichen (zu denen Verlage mitunter ja auch gehören). Diese Trennung gibt ja nur Sinn bei Tätigkeiten, die exakt umrissen und örtlich begrenzt sind. Die meisten Kollegen aus Verlagen hören ja heute schon nicht auf, beim Nachhauseweg zu vergessen, dass sie im Job Lektor, Hersteller, Redakteur, Marketeer oder ähnliches sind.

Andererseits muss man davon wiederum die Unternehmenskommunikation, das Sprechen für ein Unternehmen, scharf abgrenzen. Hier spielen viele Dinge ineinander, etwa das Thema, dass Mensch lieber mit Mensch statt Marke/Unternehmen kommuniziert, andererseits derzeit menschliche Kommunikation von vielen Kollegen als private Kommunikation gesehen und praktiziert wird. Dann braucht das ganze Regeln (neudeutsch: Policies), wofür viele aber auch wiederum erstaunlich dankbar sind.

Kurz gesagt: auf Sicht von 10 bis 20 Jahren glaube ich nicht mehr an eine strikte Trennung zwischen privatem und beruflichen Agieren (und damit auch kommunizieren), in der jetzigen Phase des Ausprobierens aber empfiehlt es sich, bei allem Menscheln eine Unternehmenskommunikation aufzubauen (gerne mit Transparenz, wer dahintersteckt). Und die, die dahinterstecken, brauchen faire Regeln, um Unsicherheiten zu vermeiden.

Drei Tags für Steffen Meier: #24/7er

Euer Motto/Leitspruch/Philosophie für Social Media?
Verhalte dich in digitalen Kanälen nicht anders als im Physischen. Dann kann nichts schiefgehen. Ausser dich kann schon in der analogen Welt niemand leiden.

Social Media Links von Ulmer (Beispiele)

Verlag

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Garten

Twitter http://twitter.com/gartenzweinull
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Kontakt: socialmediateam@ulmer.de

 

Weitere Social Media Setups:

Heike Schmidt, UTB 

Tina Pfeifer, Bastei Lübbe

Wolfgang Walz, Wiley-VCH

Frank Krings, Frankfurter Buchmesse

 

 

4 thoughts on “Social Media im Verlag: Setup von Steffen Meier (Ulmer Verlag)

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